Zwischen Hauskaufträumen, Strandliegen und viel Oktopus
Vom 27. August bis 3. September hat es mich nach Ost-Attika verschlagen. Eigentlich war der Auslöser gar kein klassischer Urlaubsplan, sondern ein Haus, das ich im Internet entdeckt hatte – mit einem wundervollen Blick aufs Meer. Sofort war der Gedanke da: Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Also kombinierte ich die Besichtigung gleich mit einer Woche Strandurlaub in Griechenland – und der Chance, die Gegend einmal richtig kennenzulernen.


Was mich dabei wirklich beeindruckt hat: Ost-Attika ist unglaublich praktisch gelegen. Nur eine halbe Stunde vom Flughafen Athen entfernt, in nicht mal einer Stunde mitten in der quirligen Hauptstadt – und gleichzeitig erreicht man unzählige Strände in unter zehn Minuten. Dazu das, was Griechenland immer kann: gutes Essen, noch besserer Wein und freundliche Menschen. Klingt erstmal nach einem Traum, oder?



Tja, und dann kam die Realität. Der Rest von Ost-Attika ist… sehr, sehr ländlich. Aber irgendwie nicht das „einsame, stille Plätze“-ländlich, das ich sonst so mag, sondern eher dörflich in der Variante komplett ohne Infrastruktur. Keine richtigen Supermärkte, nur Minimärkte, in denen man Wein oder Zigaretten bekommt – aber kaum etwas für den täglichen Bedarf. Keine hübschen kleinen Läden mit Souvenirs, Keramik oder Handwerkskunst, wie man sie sonst so liebt. Kurz gesagt: eigentlich alles ziemlich öde.
Dazu kommen die Straßenverhältnisse. Es gibt eine große Hauptstraße, aber sobald man in die Nebenstraßen abbiegt, wird’s abenteuerlich. Steinig, voller Schlaglöcher, mal bergauf, mal bergab – Autofahren macht dort nicht wirklich Spaß. Kein Wunder also, dass die Autos der Einheimischen meistens ziemlich mitgenommen aussehen.






Die Strände selbst? Nett, aber ehrlich gesagt habe ich in Griechenland schon schönere gesehen. Meistens ist es hier eine Mischung aus Sand und Kies. Aber es gibt auch Positives: Die Strandliegen sind preislich wirklich fair – meistens zwischen 7 und 10 Euro – und der Service ist super. Besonders schön fand ich dieses Grundvertrauen: Man kann seine Sachen einfach auf der Liege lassen und unbesorgt ins Wasser gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass etwas geklaut wird. Dieses Gefühl von Sicherheit ist schon etwas Besonderes.

Das Haus habe ich mir am zweiten Tag angeschaut. Und ja – die Aussicht war wirklich bombastisch, keine Frage. Aber schon der Weg dorthin war ein echtes K.-o.-Kriterium: steil, steinig und eher etwas für Geländewagen als für normale Autos. Das Haus selbst war okay, nichts Aufregendes – das hatte ich allerdings auch schon erwartet. Da mich auch die Umgebung in Ost-Attika insgesamt nicht so richtig begeistert hat, war für mich ziemlich schnell klar: Das wird nicht mein Traumhaus. Schön zum Anschauen war es allemal, aber am Ende war es eben nur ein kurzer Flirt mit der Idee vom Häuschen am Meer – und keine große Liebe.


Natürlich habe ich Ost-Attika trotzdem noch eine Chance gegeben – immerhin lag noch fast eine ganze Woche vor mir. Also habe ich Ausflüge gemacht, bin ein Stück weiter in den Süden gefahren. Und ja, die sogenannte Riviera dort ist schon ein bisschen hübscher als der mittlere Bereich bei Keratea, wo ich war. Aber so richtig vom Hocker gerissen hat es mich auch nicht. Griechenland hat einfach viele andere Orte, die deutlich schöner sind.
Sehenswert war allerdings der Poseidon-Tempel in Sounion. Imposant, beeindruckend – und ich hatte Glück mit dem Timing: Ich war nicht bei Sonnenuntergang dort, wenn die Touristenbusse aus Athen die Anlage stürmen, sondern in aller Ruhe. Ein echtes Highlight.

Im Norden habe ich mir dann noch den Artemis-Tempel angeschaut, der mir sehr gut gefallen hat. Vor allem, weil dort wirklich nichts los war – ein fast schon magischer Moment. Das kleine Museum daneben war ebenfalls sehr beeindruckend. Und das war’s dann eigentlich auch schon mit den Sehenswürdigkeiten.








Kulinarisch hingegen war Ost-Attika ein Volltreffer. So nah am Meer kommt man als Fisch- und Meeresfrüchte-Fan natürlich voll auf seine Kosten. Ich glaube fast, ich habe das halbe Meer leer gegessen – Oktopus in allen Variationen inklusive. Und das Beste: Die Preise sind absolut entspannt. Für einen halben Liter Wein zahlt man etwa 3,80 Euro – da schmeckt das Glas gleich doppelt so gut.





Die Menschen habe ich ebenfalls als sehr freundlich erlebt. Mein kleines persönliches Highlight war aber ein unscheinbares Café am Straßenrand, gleich in der Nähe meines gemieteten Hauses. Dort habe ich mir jeden Morgen meinen Freddo Cappuccino gegönnt – und das war für mich jeden Tag der perfekte Start.


Fazit
Ost-Attika war für mich eine spannende Mischung aus Traum und Realität. Auf der einen Seite die Nähe zu Athen, viele Strände gleich ums Eck, leckeres Essen und diese griechische Herzlichkeit, die man einfach liebt. Auf der anderen Seite aber auch viel Ödnis, wenig Infrastruktur und Landschaft, die mich nicht so gepackt hat wie andere Regionen Griechenlands.
Für einen kurzen Urlaub war es okay, für mein Traumhaus eher nicht. Aber genau das macht Reisen ja aus: Man entdeckt, vergleicht, lässt sich überraschen – und manchmal merkt man eben auch, wo man nicht bleiben möchte. Dafür habe ich den besten Oktopus meines Lebens gegessen, meinen täglichen Freddo Cappuccino gefunden und wieder ein Stück mehr Griechenland kennengelernt. Und das ist doch auch schon ein Gewinn.